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oh2.de - Camping mit Behinderung

 

Behindertengerechte Ausstattung von Campingplätzen

Fast jeder Behinderte hat individuelle Bedürfnisse an die Art der Ausstattung. Deshalb werden die Beschreibungen sicherlich nicht immer auf jeden passen, aber ich hoffe durch diese Seiten ein paar wertvolle Tipps geben zu können.
Es gibt inzwischen in fast allen Ländern Europas die Pflicht ein behindertengerechtes WC in öffentlichen Einrichtungen zu errichten. Das führt leider teilweise dazu, dass diese zwar lieblos unvollständig erstellt werden, dann aber nur als Abstellkammer genutzt werden. Falls sich ein Behinderter dann auf dem Platz verirrt, wird nicht einmal das "Gerümpel" weggeräumt.

Platzgelände

Das Gelände als solches ist Natur. Dieses wird zwar den Anforderungen entsprechend gestaltet, aber es gibt hier natürliche Grenzen. Ein Campingplatz an einer Steilküste kann durch geschickte Gestaltung behindertengerechter sein, als wie ein lieblos angelegter Platz bei dem in keinem Moment an Behinderte gedacht wurde. Das wichtigste ist hierbei die Stufenlose Erreichbarkeit aller Einrichtungen. Hierbei bedanken sich auch ältere oder gebrechliche Menschen die nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Behinderten-WC

Die mit Abstand wichtigste Einrichtung für Behinderte. Das WC als solches sollte am besten soviel Platz rechts und Links haben, dass jeweils mit einem Rollstuhl daneben gefahren werden kann. Beidseitig sollte eine Möglichkeit vorhanden sein sich zu halten. Eine teilweise praktizierte Lösung ist eine Strickleiter die auf einer Führungsstange oben eingehängt ist und seitlich verschoben werden kann. Viele Behinderte mögen diese Lösung allerdings nicht, da sie keinen festen Halt bietet. Besser sind abklappbare Seitengriffe.
Der Duschbereich sollte einen stabilen Sitz haben, den man auch entfernen kann, da manche Rollstuhlfahrer nur in ihrem Rolli / Duschstuhl geduscht werden können. Möglichst viele Handgriffe sollten selbstverständlich sein. Ein Handlauf rund um den ganzen Sanitärbereich wäre ideal.
Auf deutschen Campingplätzen wäre es ideal, wenn die Tür mit einem "Autobahnraststättenschlüssel" versehen wäre. Der Platzbetreiber hätte dann nur eine Schlüsselausgabe für ausländische Besucher zu managen.

Restaurant, Supermarkt, Schwimmbad usw.

 

Haus- / Platzordnung

Leider werden in diesen oft Behinderte nicht erwähnt. Personen mit Behinderung wollen keine Sonderrechte, sondern Hilfestellungen um lebenswert Leben zu können. Es reicht ja meist schon der eine Satz, dass Behinderte nicht durch geparkte Fahrzeuge, abgestellte Utensilien usw. in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden dürfen.

Meine Meinung zu Architekten:

Architekten, Bauplaner, Bauzeichner, Städteplaner usw. sollten während ihrer Ausbildung bzw. Studium mehrfach stundenlang in einem Rollstuhl die aktuelle Bausituation erleben. Ebenso sollten sie ihre eigenen Projekte nach der Fertigstellung selbstständig mit einem Rollstuhl "erfahren". Ich denke sie würden schnell begreifen, wie man die teils eklatanten Fehler die bisher gemacht wurden vermieden werden könnten. Die wirklich behindertengerecht gebauten Anlagen haben meist eines gemeinsam: Entweder der Architekt oder der Bauherr ist familiär "vorbelastet". Wenn bei der Erstellung an wichtige Kleinigkeiten wie Gehwegabsenkung, Türbreite usw. gedacht wird, dann ist es mit geringen Mehrkosten verbunden. Die Fehlerbeseitigung dagegen ist in Relation zum Nutzen gigantisch teuer.

Eine kleines Beispiel für einen millionenfach in Deutschland gemachten Fehler im Wohnungsbau:
Es fehlt ein Bodenablauf in fast jedem Bad. Allein um diesen nachträglich bei einem Umbau in ein behindertenfreundliches Bad zu errichten muss die Wohnung unterhalb mit umgebaut werden. Die Decke muss stark umgebaut werden um das Abflussrohr des Bodenablaufs zu verlegen.

 

Letzte Bearbeitung dieser Seite am 30.08.2005